28. Juni 2017

Krise bei Powerblades und Adwen: Offshore-Deckelung droht Bremerhaven um Jahre zurückzuwerfen

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Seitdem die Bundesregierung im vergangenen Sommer den Ausbau der Offshore-Energie gedeckelt und für die Nordsee sogar komplett gestoppt hat, befindet sich die Windenergieindustrie in Bremerhaven in einer existenziellen Krise, die weit über bisherige Einschnitte hinausgeht. Aktuell sind fast 300 Arbeitsplätze bei der Senvion-Tochter Powerblades gefährdet. Jetzt wurde bekannt, dass weitere 1.100 Arbeitsplätze beim Turbinenhersteller Adwen wegzufallen drohen. 

Nelson Janßen, umweltpolitischer Sprecher und Bremerhavener Abgeordneter der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE: „Dieser Ausbaustopp im Zuge der EEG-Reform war klimapolitisch und energiewirtschaftlich ein großer Fehler. Das SPD-geführte Bundeswirtschaftsministerium hat damit auch ein radikales Deindustrialisierungsprogramm zu verantworten, was Bremerhaven um Jahre zurückzuwerfen droht. Schon bei der Abstimmung über die EEG-Reform im Sommer 2016 war überhaupt nicht ersichtlich, wieso die Bremer SPD-Verantwortlichen im Bundestag und Bundesrat – anders als alle anderen Bremer Abgeordneten – nicht gegen dieses Projekt gestimmt haben.“

„Um den aktuell drohenden Arbeitsplatzabbau in Bremerhaven zu stoppen, fordern wir das Wirtschaftsressort und die Wirtschaftsförderung auf, mit Nachdruck auf die Unternehmen einzuwirken, die sich bisher sogar Gesprächen mit den eigenen Belegschaften entzogen haben“, so Janßen weiter. „Bremen und Bremerhaven haben viele öffentliche Mittel in die Offshore-Industrie gelenkt, was sinnvoll war. Der Senat darf sich daher nicht gefallen lassen, wenn sich die Geschäftsführungen jetzt taub stellen und ihre Produktionsstätten kurzerhand umsiedeln wollen.“

Zum Hintergrund: Adwen, früher AREVA Wind, wurde im Frühjahr vom Siemens-Konzern übernommen und betreibt eine der beiden Turbinenfabriken in der Seestadt. Siemens will Adwen offenbar in eine Service-Gesellschaft und eine Produktionssparte aufspalten. Die Fertigung soll sich auf das französische LeHavre konzentrieren, wo AREVA Wind seinen Hauptsitz hat. An einem Kauf der Service-Gesellschaft soll der US-Ölmulti Shell interessiert sein.

Janßen abschließend: „Der drohende Arbeitsplatzabbau hat nichts mit dem angeblich fehlenden OTB zu tun: Die Unternehmen haben bisher erfolgreich über die schwerlastfähigen Kajen im Fischereihafen umgeschlagen und könnten dies weiterhin tun, wie zuletzt auch das Verwaltungsgericht bestätigt hat. Das Problem sind eine weitreichende Marktbereinigung und damit einhergehende Konzentrationsprozesse hauptsächlich zugunsten des Siemens-Konzerns. Kleine Hersteller können auf die energiepolitischen Fehlentscheidungen der Großen Koalition schlechter reagieren. Der Ausbaustopp beschleunigt so die weitere Konzentration bei den verbliebenen Großunternehmen.“

Quelle: http://www.dielinke-bremerhaven.de/politik/aktuelles/detail/artikel/krise-bei-powerblades-und-adwen-offshore-deckelung-droht-bremerhaven-um-jahre-zurueckzuwerfen-1/