9. März 2017

Außen hui und innen pfui! Was ist los bei AMEOS?

"Wir suchen Mitarbeiter, die Flexibilität genauso wichtig finden wie wir."  So überschrieb die AMEOS-Gruppe vor wenigen Tagen eine Stellenanzeige in der Nordsee Zeitung. Viele AMEOS-Beschäftigte haben damit ihre ganz eigenen Erfahrungen gemach

Die Stadtverordneten der LINKEN haben nachgefragt.

2015 wurden die DRK-Krankenhäuser "Seepark" in Debstedt und "Bürgerpark" in Bremerhaven sowie das "St. Joseph Hospital" in Bremerhaven von der AMEOS-Gruppe übernommen. Seitdem wurden allein im jetzigen "Klinikum Seepark Geestland" schon mehr als 200 Stellen (von insgesamt ca. 700) abgebaut. Dies geschieht durch das Ausgliedern ganzer Abteilungen wie Technik und Bau, Personalabteilung, Sozialdienst, Physiotherapie u.a. Die gekündigten Kolleg*innen dürfen "ganz flexibel" zu schlechteren Konditionen in die von AMEOS gegründeten Gesellschaften wechseln, welche die bisherigen Arbeiten weiterführen. Dabei entfallen tarifliche Errungenschaften und auch die Vertretung durch den Betriebsrat. Gleichzeitig werden Finanzberichte seitens AMEOS durch die vielen neuen Untergesellschaften undurchsichtig.

Im Reinigungsbereich scheint die Ausgliederung der Stellen zu scheitern. Es finden sich  nicht genug Menschen, die für die abgesenkten Löhne und verschlechterten Bedingungen die schweren Arbeiten übernehmen wollten.

Bei den Kündigungen wendet AMEOS eine Zermürbungstaktik an. Beschäftigte, die sich erfolgreich vor dem Arbeitsgericht gewehrt haben, bekamen trotzdem wiederholte Kündigungen ausgesprochen. Etliche Mitarbeiter*innen wurden freigestellt. AMEOS lässt gute Fachkräfte zu Dutzenden bei vollen Bezügen zu Hause, um zu zeigen, dass man sie nicht mehr braucht bzw. will. Mit Abfindungen versucht das Klinikmanagement sich dieser Beschäftigten zu entledigen. Nach Gewerkschaftsschätzungen sollen dafür bereits über 700 000 € geflossen sein, welche womöglich durch Einsparungen bei den Untergesellschaften wieder ausgeglichen werden. Neben  Ausgliederungen setzt AMEOS auch auf Leiharbeit im Krankenhaus. Sie macht ca. 10 % der Tätigkeiten aus. Die Geschäftsführung meint, dass mehr Operationen nötig seien, damit keine Klinik geschlossen werden muss.

Für die Pflege der operierten Patient*innen reicht das Personal jedoch nicht aus, sagen die Beschäftigten. AMEOS wolle, dass Mitarbeiter*innen die mehr anfallenden Stunden auf Arbeitszeitkonten sammeln. Es komme  zu Verletzungen des Arbeitszeitgesetzes. Es fehlten Pausenmöglichkeiten. Dienstpläne würden geschönt. Trotz dieser schlechten Arbeitsbedingungen verdienen die AMEOS-Beschäftigten ca. 15% weniger als nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Sie haben monatlich 300 bis 500 € weniger auf dem Konto als ihre Kolleg*innen in Kliniken der öffentlichen Hand.

Einem besonderen Stress sind offensichtlich die Reinigungskräfte ausgesetzt. Sie sind durch Stellenabbau und Zeitnot überfordert. Die Vermutung liegt nahe, dass nur noch dort gereinigt werden kann, wo Schmutz im Klinikalltag sichtbar wird. Hygieneprobleme im Krankenhaus sind das Arbeitsgebiet von Hygienefachkräften. Bisher war eine Fachkraft für alle drei AMEOS-Einrichtungen zuständig. Diese sei jedoch nicht mehr da. Eine neue Hygienefachkraft müsse erst ausgebildet werden. Kontrollen durch die Hygienekommission Bremen erfolgen nur mit Anmeldung.

Petra Brand, Stadtverordnete der LINKEN erklärt dazu: "AMEOS hat die Arbeitsbedingungen in unzumutbarer Weise verschlechtert. Die Qualität der Patientenversorgung ist in Gefahr. Wir fordern die Rücknahme aller Kündigungen und die Weiterbeschäftigung aller Kolleg*innen zu Tariflöhnen vergleichbar mit dem TVöD. Anweisungen, welche zu Verstößen gegen Arbeitszeitgesetz, Arbeitsschutzgesetz und Hygienevorschriften führen können, sind zurückzunehmen. Hygienekontrollen müssen auch unangemeldet stattfinden. Die behördliche Aufsicht in Stadt und Land muss gewährleistet sein.

DIE LINKE tritt dafür ein, dass Krankenhäuser grundsätzlich in öffentliche Hand gehören."