18. Juli 2016

Lloyd-Werft: Senat war zu leichtgläubig – Genting Group soll wenigstens Beschäftigungsgarantie geben

„Auf den Rausch folgt der Katzenjammer. Erst hatte der Senat den Totalverkauf der Lloyd-Werft an die malaysische Genting Group als Jahrhundert-Coup gefeiert, der jede Menge Arbeitsplätze bringen werde. Jetzt verhält sich die Genting Group so, wie man das von einem Multi als Investor wohl nicht anders erwarten kann: Nachdem sie inzwischen weitere Werften zugekauft hat, entscheidet sie sich für die billigste Variante, egal, was das für die ursprünglich versprochenen Arbeitsplätze heißt.“

„Rückwirkend stellt sich die Frage, ob es der Genting Group von vorneherein darum ging, sich den Zugriff auf potentielle Kreuzfahrtschiffbau-Kapazitäten und die entsprechende Technologie zu sichern, und nicht unbedingt darum, an all diesen Standorten auch tatsächlich zu bauen. So oder so: Die Beschäftigten bei der Lloyd-Werft werden zum Spielball der Konzern-Kalkulation, auch weil der Senat durch den leichtfertigen Mitverkauf der öffentlichen Anteile dafür gesorgt hat, dass es keinerlei Mitsprache und keinerlei Transparenz mehr gibt. Diese Haltung der Leichtgläubigkeit muss sich jetzt dringend ändern“, so Nelson Janßen, Bremerhavener Abgeordneter der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft.

„Wir sehen die Genting Group in der Pflicht, endlich eine bindende Garantie wenigstens für die bestehenden Arbeitsplätze auf der Lloyd-Werft abzugeben“, so Janßen weiter. „Denn die Konzernleitung der Gruppe hat zu verantworten, dass die Werft jetzt mit leeren Auftragsbüchern dasteht. Ab September 2016 sollte ja an den Kreuzfahrtschiffen gebaut werden, so dass seit dem Einstieg der Genting Group im letzten September keine neuen Reparatur- und Umbauaufträge mehr akquiriert wurden. Wenn die Konzernleitung ihre Kalkulation jetzt kurzfristig ändert, darf das nicht dazu führen, dass die Beschäftigten dafür zahlen. Es war ein Fehler des Senats, ganz aus der Werft auszusteigen. Jetzt muss wenigstens klargezogen werden, dass sich für die Kajensanierung im Kaiserhafen III, die immerhin 32,5 Mio. Euro öffentliche Gelder kosten soll, die Frage der regionalen Wirtschafts- und Arbeitsplatzeffekte und damit auch der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens insgesamt neu stellt. Ohne verbindliche Zusagen der Genting Group über Investitionen und Arbeitsplätze in Bremerhaven ist mehr als fraglich, ob die Kajensanierung im geplanten Umfang zu rechtfertigen ist.“

Die Linksfraktion plant, einen entsprechenden Antrag für die Bürgerschaftssitzung im August einzubringen. Darin soll der Senat aufgefordert werden, eine verbindliche Beschäftigungsgarantie von der Genting Group einzufordern.