29. Mai 2016

Aktion gegen Präsenz der Bundeswehr auf dem SeeStadtFest

Bilder: G. Matthiessen und S. Rave

Am Sonntag Nachmittag wurde der Karrieretreff Bundeswehr von antimilitaristischen Demonstrantinnen und Demonstranten kurz gestört. Es legten sich mehrere Demonstrant*innen mit blutrot eingefärbten T-Shirts auf den Boden, um darauf aufmerksam zu machen, dass Militär etwas mit Tod zu tun hat und nicht mit flotter Musik.

Diese Demonstrant*innen standen nach einiger Zeit wieder auf (war auch gerade nicht das beste Wetter).

Daneben hatten einige Demonstranten den Sanitätspanzer besetzt und ein Transparent ausgerollt:

MILITÄRISCHE PROPAGANDA
DIE WESER RUNTERSPÜLEN.
KEINE BÜHNE FÜR BW UND POLIZEI
IN BREMERHAVEN

Ein Demonstrant hatte sich mit einem Fahrradschloss angekettet. Das Verhältnis mit der Polizei war zu dem Zeitpunkt noch relativ entspannt. Einige der Demonstranten haben den Sanitätspanzer freiwillig wieder verlassen und mussten nach Aufnahme ihrer Personalien den Platz verlassen.

Als allerdings die ersten Gäste kamen, um sich die Musik anzuhören, änderte sich die Lage. Die Bundeswehr wollte zeigen, dass sie flotte Musik sponsern kann - dabei störten die Demonstranten. Um die "Ordnung" wieder herzustellen, wurde der Sanitätspanzer hinter den Zoo gefahren. Die Öffentlichkeit wurde weiträumig ausgesperrt. Dann holte die Polizei die letzten Demonstranten vom Sanitätspanzer - was nicht mehr in entspannter Atmosphäre stattfand. Der angekettete Demonstrant wurde von der Feuerwehr befreit - und von der Polizei festgenommen.

Günter Matthiessen

Nachtrag:
Die Polizei ging bei der Räumung des Sanitätspanzers unnötig gewalttätig vor, und zerrte den Aktivisten M. so vom Panzer, dass er hart auf dem Boden aufschlug. Anschließend wurden die sechs AktivistInnen zur Polizeiwache gebracht und mehrere Stunden festgehalten. M. wurde, weil er sich während des Verhörs unkooperativ zeigte, zunächst in Gewahrsam genommen, um dann gegen seinen Willen ins Krankenhaus Reinkenheide gefahren zu werden.

Wegen angeblicher Suizidgefahr wurde er die Nacht über in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Im Rahmen dieser Zwangseinweisung wurden ihm auch die Haare geschoren. Sebastian Rave, Mitglied im Landesvorstand der LINKEN, der bei dem Protest anwesend war, wertet das als „krasse Einschüchterung“. „Wir wehren uns dagegen, dass Aktivismus gegen die Bundeswehr für krank erklärt wird – es ist genau andersrum: Was ist das für eine kranke Gesellschaft, in der
militaristische Werbung bei einem Volksfest normal ist, und der Protest dagegen kriminalisiert und pathologisiert wird?“. Rave weiter: „Der Betroffene hat unsere volle Solidarität und Unterstützung. Wir behalten uns rechtliche Schritte gegen das Vorgehen der Polizei vor.“