Zur Zeit wird gefiltert nach: Bremerhaven

18. Dezember 2017

Verkehrskonzept endlich umsetzen!

Laut Nordsee Zeitung vom 15.12.2017 ist es um die Verwirklichung des Bremerhavener Verkehrskonzeptes schlecht bestellt. Seit drei Jahren kommt die Umsetzung der hoch gesteckten Ziele nicht voran. Wichtigste Ursache sei der Mangel an Personal beim Magistrat.

Der 2012 beschlossene Verkehrsentwicklungsplan VEP soll bis 2030 eine sichere sozial-, stadt-, und umweltverträgliche Mobilität für alle ermöglichen. Schwerpunkte liegen dabei vor allem auf dem Fuß- , Fahrrad- und öffentlichem Personennahverkehr und der Aufenthaltsqualität in den Straßen. Personalmangel und Finanznöte der Stadt scheinen dies zu verhindern. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) schlägt für Bremerhaven die Wiedereinführung der Straßenbahn vor und hält sie für durchaus finanzierbar. Norbert Haase, Geschäftsführer von Bremerhaven Bus, will dagegen mehr Busse mit neuen Antriebsmöglichkeiten einsetzen.

Günter Matthiessen, Stadtverordneter der LINKEN, erklärt dazu: "Wir brauchen in Bremerhaven ein Verkehrskonzept, das die Menschen von Bremerhaven und das Klima in den Mittelpunkt stellt. Es gibt erste Ansätze, wie in der Borriesstraße – aber ein Generalplan fehlt noch. Zur Umsetzung des VEPs müssen die zuständigen Ämter ihren Aufgaben entsprechend finanziell und personell ausgestattet werden.

Die Antwort auf die Frage nach der fehlenden Busanbindung des Schaufensters Fischereihafen ist mehr als peinlich: Es sei durch die Linien auf der Weserstraße angeschlossen und 250 Meter könnten die Leute laufen. Tatsächlich ist diese Anbindung unbequem und nicht ausreichend. Man muss - je nach Anfahrtsrichtung - die vierspurige Weserstraße queren, danach die Ampelanlage Hoebelstraße und dann eine lange Treppe an der Böschung der Fischereihafenrampe hinuntersteigen, um auf der Rückseite von einigen Restaurants zu landen. Wer das nicht kann, muss den Umweg über die Hoebelstraße nehmen. Für die Besucher des Schaufensters, des Theaters im Fischereihafen und der anderen dortigen Touristenattraktionen ist das keine gute Busanbindung! Für die Zukunft ist zu untersuchen, wie eine Anbindung des Fischereihafens durch Buslinien möglich ist.

Wir setzen uns – wie viele seit langem für die Wiedereinführung der Straßenbahn in Bremerhaven ein. Sie ist in Hinsicht auf Umweltverträglichkeit, Schnelligkeit, Pünktlichkeit, Fahrgastkomfort, Kinder- und Behindertenfreundlichkeit den Bussen - unabhängig von deren Antriebsart - weit überlegen. Sie würde für viele Menschen den Verzicht auf PKW-Benutzung im Stadtbereich erst attraktiv machen. Das Fehlen von CO2-Emissionen ist ein weiteres Argument. Die Stadt muss sich um Finanzierungsquellen im nationalen und EU-Bereich kümmern. Ebenso ist der Bahnhof Speckenbüttel in die Verkehrsplanungen wieder einzubeziehen."

"Wer sich für stadtplanerische Umgestaltungen im Bereich des Fischereihafens nach dem Vorbild von Malmö begeistert, muss auch im Bereich der Verkehrspolitik nach Malmö schauen. Dort gibt es 550 km Fahrradwege1. Ich war in diesem Sommer einige Tage mit dem Fahrrad in Malmö. Die Fahrradwege sind durchgängig und so breit, dass ein Überholen jederzeit möglich ist."

Auf der offiziellen Webseite von Malmö wird das Ziel der Verkehrspolitik wie folgt beworben: „Nein, niemand muss die ganze Zeit mit dem Auto fahren. Autos sind nicht gut für die Umwelt und es gibt gute Alternativen. Fahrrad, Bus, Fußverkehr, Zug, Skateboard, Rollerblades, Kickboard, Carsharing, Fahrgemeinschaften, umweltschonend Fahren oder Umweltautos sind einige der Möglichkeiten, die die Luft gesünder erhält." Wann wird dieses auch das Selbstverständnis von Bremerhaven sein?


1: Quelle (schwedisch): malmo.se/Stadsplanering--trafik/Trafik--hallbart-resande/Bra-resvanor.html