18. November 2018

10. November 2018 - Demo "Bremerhaven bleibt bunt"

Foto: privat

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Rund 2000 Menschen demonstrierten am Samstag, den 10. November unter dem Motto "Bremerhaven bleibt bunt!" und setzten ein unübersehbares Zeichen gegen Rechts.

Dem Aufruf mit den zentralen Aussagen "Für Demokratie, Solidarität und gleiche Rechte! Gegen Neonazist*innen, Faschist*innen und Rechtspopulist*innen!" hatten über 65 Gruppen aus den Bereichen Politik, Arbeit und Soziales, Gewerkschaft, Migration, Jugend, Bildung, Kultur und Religion sowie hunderte Bremerhavener Bürgerinnen und Bürger gemeinsam unterzeichnet.

Die Initiative dafür geht zurück auf den interkulturellen DIALOG-Verein für gleiche Rechte und das Bündnis Gesicht zeigen. Anlass waren die zunehmenden Aktivitäten von Neonazis in Bremerhaven und die bundesweite Entwicklung nach den Geschehnissen in Chemnitz. Das neu gegründete AKTIONSBÜNDNIS GEGEN RECHTS # WIR SIND MEHR organisierte binnen neun Wochen von unten die größte Demonstration, die Bremerhaven seit etlichen Jahren gesehen hat.

Im Vorfeld der Demo hatten jeden Samstag Mahnwachen vor der Großen Kirche stattgefunden. Dabei war es mehrfach zu Pöbeleien, Einschüchterungsversuchen und Straftaten durch Mitglieder der Neonazi-Partei DIE RECHTE gekommen. Nach der Auftaktkundgebung am Stadthaus 1 zog der lange, bunte und laute Demonstrationszug durch die Stadt bis zur Großen Kirche, wo ein umfangreiches Kulturprogramm und mehrere Redner*innen das Gedenken an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht verknüpften mit dem aktuellen Kampf gegen Rechts. Zum Abschluss feierten die Demonstrant*innen ihren Erfolg tanzend auf der Straße.

Die Eröffnungsrede von Hanne Beutel:

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Bremerhavener Bürgerinnen und Bürger, liebe Gäste aus nah und fern -   ich begrüße Euch herzlich zu unserer heutigen Demo „Bremerhaven bleibt bunt“

Gestern jährte sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht, mit der das Naziregime von der systematischen Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung überging zum Holocaust, der schließlich 6 Millionen jüdischer Menschen in Europa das Leben kostete. Ausgerechnet an diesem Tag erhielten Neonazis in Berlin die Möglichkeit zu demonstrieren, weil ein Verbot des Berliner Senats wie so oft von einem Gericht aufgehoben wurde. Ich finde das einen unglaublichen Skandal und freue mich deshalb ganz besonders, dass die demokratische Berliner Zivilgesellschaft mit tausenden Demonstrant*innen diese Nazi-Demo gestoppt hat. Es reicht einfach nicht mehr aus, sich an Jahrestagen an die Verbrechen der Nazis zu erinnern. Wir sind auch nicht mehr an dem Punkt, wo es gereicht hat auszurufen „Wehret den Anfängen“. Wir sind mittendrin in einer gefährlichen Rechtsentwicklung.

Das bekommen wir in unserer Stadt seit Monaten lebhaft vor Augen geführt durch das penetrante Auftreten der Mini-Partei „DIE RECHTE“. Ich werde diesen Leuten nicht den Gefallen tun, ihre Aktionen hier im Einzelnen zu beschreiben. Wir sagen heute an die Adresse dieser Neonazis nur so viel:  Ihr werdet es nicht schaffen in Bremerhaven Terrain zu gewinnen. Hier wird niemand eingeschüchtert, hier marschiert nicht der „nationale Widerstand“ und hier wird schon gar keiner „aufgehängt“!  Und den Nazi-Kiez, von dem ihr träumt, wird es hier niemals geben.

Wir wenden uns aber nicht nur gegen den Versuch dieser Leute, hier Fuß zu fassen und in die Stadtverordnetenversammlung einzuziehen. Wir wehren uns auch gegen jene Nationalisten und Rassisten, die viel zu lang schon dort sitzen. NPD, AfD, Bürger in Wut – ihr seid keine Alternative, sondern eine Zumutung. Egal, ob ihr Euer Gift verspritzt in widerlichen Flugblättern, fadenscheinigen Anfragen und Anträgen oder in gekauften sogenannten „Kolumnen“ der Lokalpresse -  wir wollen Euern Hass und Eure Hetze nicht! Das gleiche gilt auch für alle sonstigen Faschisten. Wie zum Beispiel die türkischen Grauen Wölfe und AKPler, die demokratische Landsleute bespitzeln und denunzieren, so dass diese bei jedem Heimaturlaub Angst haben müssen, verhaftet zu werden.

Wir stehen hier als Bündnis der demokratischen Zivilgesellschaft unserer Stadt, das es in dieser Breite bisher nicht gegeben hat. Wir zeigen heute mit dieser Demo ganz klar:  WIR SIND WIRKLICH VIEL MEHR!  Und wir versprechen jetzt schon mal: Wir bleiben auch nach der Demo am Ball.
Erich Kästner, dessen Bücher die Nazis verbrannt haben, schrieb rückblickend auf die Nazizeit einmal: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens bis 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“

Ich denke, auch wenn wir erst November haben und das Wetter eher mild war, dass heute ein guter Tag ist um Schneebälle zu zertreten.