8. Januar 2018

Leiharbeit in Bremerhaven = Fehlentwicklung mit schlimmen Folgen

Wie die Nordsee Zeitung am 02.01. unter "Behörde erzielte fettes Plus" berichtet, hat die Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr einen Überschuss von 5,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die deutsche Wirtschaft erwarte für dieses Jahr ein Wachstum von mehr als zwei Prozent und einen starken Rückgang der Arbeitslosigkeit. Am 05.01. berichtet die NZ unter dem Titel "1111 offene Stellen in Bremerhaven" über die Lage vor Ort. Auch das Bundesland Bremen habe von der guten Konjunktur profitiert. In Bremerhaven sei die Zahl der Arbeitslosen um 6,5% auf 7280 Personen im Dezember gesunken. Fast keine Veränderung gab es bei der Zahl der offenen Stellen. Besonders auffällig: Unter den 1111 offenen Stellen liegen "347 Stellen in der Leiharbeit" allen anderen Bereichen weit voraus auf dem Spitzenplatz.

Herbert Winter, Stadtverordneter der LINKEN, erklärt dazu: "Die große Nachfrage nach Leiharbeit ist ein deutlicher Hinweis für eine anhaltende Fehlentwicklung am Arbeitsmarkt. 347 Stellen - das sind mehr als dreißig Prozent aller offenen Stellen in unserer Stadt. Und das, obwohl jetzt bereits 4,7% der Beschäftigten im Bundesland Bremen in Leiharbeit tätig sind. Davon mehr als 30% im öffentlichen Sektor. In den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigten in Leiharbeit deutschlandweit auf 1 Million verdreifacht. Leiharbeit ist durch kurze Arbeitsverhältnisse geprägt. Mehr als die Hälfte dauern nicht einmal drei Monate. Und die Perspektiven danach sind nicht gut: nur jede/r Vierte findet im Folgemonat ein reguläres Beschäftigungsverhältnis. Von einer Brücke in reguläre Beschäftigung kann nicht die Rede sein.

Die Arbeitsmarktpolitik der Bundesagentur für Arbeit fördert die Leiharbeit: 33 Prozent der Vermittlungen durch Jobcenter und Arbeitsagenturen erfolgen in Leiharbeit. („Aktuelle Entwicklungen in der Leiharbeit in Deutschland und Europa" BT-Drs. 18/13245). Von den kurzfristigen Beschäftigungen zu Dumpinglöhnen profitiert nur die Arbeitgeberseite. Dies führt zu Erwerbs- und Altersarmut. Leiharbeit wirkt sich auch negativ auf den Zusammenhalt von Belegschaften und die Durchsetzungskraft von Betriebsräten und Gewerkschaften aus. DIE LINKE setzt sich für die Abschaffung der Leiharbeit ein. Der öffentliche Sektor, wo in letzter Zeit immer mehr Festarbeitsplätze durch Leiharbeit ersetzt wurden, muss sofort aus der Leiharbeit aussteigen. Und für die Förderung von Firmen muss gelten: Nur solche Betriebe werden unterstützt, die nachweislich auf Arbeitsplatzvernichtung, Leiharbeit und Werkverträge verzichten."