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Foto: GMatthiessen

Hier spielt die Musik – NICHT MEHR!

In Deutschland singen mindestens 14 Millionen Menschen in Chören oder musizieren. Ihr Instrument haben sie in einer Musikschule oder von einer:m Privatlehrer:in erlernen dürfen. Jeder Laie, der Musik macht, wird bestätigen können, wie sehr ihn das Musizieren bereichert.

Die deutsche Kultur- und Musiklandschaft ist weltweit einzigartig. Ihr Fortbestehen ist eine Verpflichtung unserer Kultur und unseren Wurzeln gegenüber. Kultur und Musik sind systemrelevant und werden mangels Lobby in eine Ecke der Unwichtigkeit gedrängt, die es schwer macht, finanziell, beruflich und privat weiterzuplanen

Der ohnehin gebeutelte Sektor der freischaffenden Musiker:innen und Künstler:innen muss während der COVID-19-Krise mehr Zuwendung erfahren, als es ihm bislang zuteilwurde, damit unsere Kulturlandschaft auch nach der Krise zu einer bunten Gesellschaft beitragen kann und Wissen und Werte vermitteln kann.

Viele freischaffenden Musiker:innen (mit eingeschlossen solche, die in einem Honorarverhältnis unterrichtend tätig sind) leben von der Hand in den Mund und haben nicht so viele Rücklagen (s.u.). Die Krise führt bei ihnen zu einem existenzbedrohlichen Zustand.

Fakten

  • 16,4 % der Soloselbstständigen Deutschlands sind in der Musik tätig. Im Jahr 2018 belief sich ihre Zahl auf 3319, Tendenz steigend. Sie verdienen ihr Geld ausschließlich durch Konzertieren und Komponieren. Ihr monatliches Bruttoeinkommen liegt zwischen 1000 und 3000 €.
  • Mindestens 13.500 Musikschullehrer:Innen oder private Musiklehrkräfte sind 2019 bei der KSK (Künstlersozialkasse) registriert
  • Durch die Coronakrise im Jahr 2020 hat diese Sparte der Soloselbständigen enorme Gehaltsausfälle zu beklagen, vor allen Dingen diejenigen, die sich ausschließlich oder großteils durch Auftritte finanzieren. Konzerte wurden teilweise bis in den Herbst/Winter 2021 verschoben oder sie fallen ganz aus. ES IST UNKLAR, WANN NORMALES MUSIZIEREN WIEDER MÖGLICH SEIN WIRD. Die Situation von Honorarkräften an (privaten) Musikschulen ist etwas besser; aber auch die Musikschulen haben enorme Einbußen zu durchstehen, da Unterrichten nur unter schweren Bedingungen durchführbar ist und nicht jede:r Schüler:in für Änderungen bereit ist. Natürlich werden neue Verträge während der Krise weniger oft abgeschlossen.
  • Im Bundesland Bremen können freischaffende Künstler:innen seit dem 02. April 2020 eine einmalige Soforthilfe von bis zu 3000 € beantragen, wenn sie in der Künstlersozialkasse versichert sind und über Einnahmeausfälle eine Existenzgefährdung nachweisen können. Diese Zuzahlung muss nicht zurückgezahlt werden. Wenn allerdings schon Bundesmittel beansprucht wurden, wird darum gebeten, auf Antragsstellung zu verzichten. Soloselbstständige in der KSK können zudem die monatlichen Zahlungsraten reduzieren.
Mietzahlungen können gestundet werden, wenn keine Einnahmen mehr erfolgen. Das bedeutet aber, dass die Miete nachgezahlt werden muss.
Meist kommt Hartz IV, Grundsicherung, nicht infrage, da zu hohe private Rücklagen z.B. für die Altersvorsorge vorhanden sind. Außerdem gelten Künstler:innen, die durch die Krise am Arbeiten gehindert sind, nicht als arbeitslos oder arbeitssuchend. Sie sind einfach an der Arbeit gehindert, um Ansteckung zu vermeiden.
Die meisten Soforthilfen müssen zurückgezahlt werden, was bei der Nicht-Erlaubnis von Auftritten und somit sicherer Einnahmequellen nicht erfolgen kann.
Die Künstlersozialkasse nimmt seit dem Lock-Down keine weiteren Künstler:innen mehr auf, sodass viele Soforthilfeprogramme nicht greifen. Andere Hilfsprogramme können von Musiker:innen nicht beantragt werden, da sie z.B. keine „Betriebskosten“ haben, die zu erstatten wären.


Die Situation von Musikern und Musiklehrern seit dem Beginn der Pandemie ist existenzgefährdend.

Eine Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation ist unser Ziel.

Was muss geändert werden:

  • Gesetzliche Sozialversicherung (ähnlich der KSK) mit Möglichkeit der Zahlungsaussetzung während der Coronakrise,
  • Einkommenssteuer-Vorauszahlungen senken,
  • Liquiditätshilfen, die über die Jobcenter ausgezahlt werden,
  • Höherer Freibetrag von Privatvermögen z.B. zur privaten Altersvorsorge,
  • Vereinfachung von Kreditvergaben an Soloselbständige,
  • Stärkung von privaten Musikschulen (Subventionen, Förderprogramme, Mietschulden nicht zurückzahlen),
  • sozialversicherungspflichtige Arbeitsverträge (möglichst nach Tarifverträgen) statt Honorarverträge,
  • Rückzahlung von Gehältern ausgefallener Konzerte durch das Land,
  • Überbrückungsgeld, wenn Konzerte verschoben werden. Dieses könnte -teilweise - zurückgezahlt werden. Das Überbrückungsgeld muss unbürokratisch und sofort gezahlt werden, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden.

Quellen

www.statista.com
www.musik-heute.de
www.miz.org
www.senatspressestelle.bremen.de
www.verdi.de


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